Trauredner sind diejenigen, die bei einer freien Trauung oder auch einer standesamtlichen Hochzeit über das Paar sprechen und die Zeremonie gestalten. Ein bisschen wie ein Pfarrer, nur ohne Liturgie natürlich. Im Zweifel legt der freie Redner die Stimmung des kompletten Tages fest. Aber was genau macht eigentlich so ein Trauredner? Und wie findet ihr einen, der wirklich gut ist – und zu euch passt? Darüber habe ich mich ausführlich mit dem Freien Redner Johann Jakob Wulf unterhalten – trotz Corona. Denn ich bin sicher: 2021 wird es wieder ausgelassene Hochzeiten geben, vielleicht schon im Herbst 2020. Johann habe ich mir als Interview-Partner für euch ausgesucht, weil er das Trauredner-Netzwerk Strauß & Fliege gegründet hat.

Johann kenne ich bereits seit den ersten wackeligen Schritten des Blogs. Er zählt für mich wie Caroline Hüttl definitiv zu den besten Rednern im Münchner Raum. Deshalb empfehle ich ihn euch auch gerne im Branchenbuch in der Kategorie Trauredner.

Johann, aus deiner eigenen Sicht: Was macht eigentlich ein Trauredner?

Was der macht? Der redet! Frei? Im besten Fall nicht! Nein, im Ernst: Ein freier Redner, so beschreibe ich ihn gerne, ist sowas wie ein Beleuchter im Theater. Er weiß, wo die Schauspieler stehen, wo das Licht sein muss. Aber auch, wo es grau wird, wo es schwarz wird, was hinter der Bühne ist. Er kennt das Publikum, die Notausgänge und den Text. Er weiß, worum es geht, hat sich eindringlich in vielen Proben auf die Aufführung vorbereitet und ist dann pünktlich und vorbereitet an seinem Platz. Das mal zum Strukturellen. Ansonsten ist ein freier Trauredner alles mögliche: Fragensteller, Taschentuchhalter, Tröster, Komödiant und Philosoph.

Die vielleicht wichtigste Frage, die sich viele Paare stellen: Woran erkenne ich, ob ein freier Redner auch wirklich ein guter Redner ist? Für mich wäre es ja ganz klar mein Bauchgefühl, das ich nach einem ersten Gespräch hätte…

Das kann ich absolut bestätigen! Natürlich sind die Webseite, das gesamte Erscheinungsbild oder auch die Finanzen ein wichtiger Punkt. Am Ende muss sich das Paar aber fragen: Will ich dieser Person wirklich alles aus meinem Leben erzählen und vertraue ich darauf, dass diese Person mit unseren Informationen sorgfältig umgeht? Die anderen, strukturellen Fragen sind dann natürlich auch wichtig. Am Anfang ist aber das Gefühl entscheidend!

Du hast es gerade schon angesprochen: das Thema Finanzen. Also: Was kostet so ein freier Redner eigentlich?

Ich kann da natürlich nicht für alle Trauredner sprechen, aber ein seriöser und zuverlässiger Redner ist nicht unter 1400 Euro zu bekommen.

Ich glaube, jetzt sind gerade die meisten Leser umgekippt oder haben zumindest ziemlich tief eingeatmet… Wie kommen solche Preise zustande? 

Bei uns, also bei Strauß & Fliege, haben alle Trauredner ihre eigenen Preise, weil jeder ein bisschen anders arbeitet. Hinzu kommen noch Dinge wie die Anreise, Fremdsprachenkenntnisse oder auch Tag und Uhrzeit. Ein Samstagnachmittag im August ist schlicht extrem häufig angefragt und kostet entsprechend mehr als ein Freitag im März. Hauptsächlich aber braucht ein Rednder für die Vorbereitung einer Trauzeremonie rund 25 bis 30 Stunden, also drei bis vier Arbeitstage. Wenn man sich überlegt, was ein Handwerker oder Anwalt kostet, relativiert sich der Preis sehr schnell.

Ja, schon, aber wie kommen diese 25 bis 30 Stunden zustande, werden sich die meisten eurer Kunden doch sicher fragen? 

Die Rede für eine Trauung vorzubereiten ist ein längerer Prozess. Es gibt nach der Kontaktaufnahme ein Erstgespräch, nach dem sich Paar und Redner dann am Ende entscheiden, ob sie zueinander passen. Danach finden dann diverse Treffen, Telefonate und Absprachen statt bis zum Hochzeitstag. Das kann man nicht so genau terminieren, weil einfach immer irgendwas ist und der Redner im besten Fall zu einer sehr wichtigen Ansprechperson wird.

Klar, die Planung ist aufwändig. Erkläre meinen Leserinnen das aber doch bitte noch etwas genauer. Wie läuft die Zeremonie zum Beispiel ab? Gibt’s da feste Abläufe wie bei einer kirchlichen oder standesamtlichen Hochzeit? 

Da die Trauungen frei sind, entscheidet das jeder Redner mit seinem Paar selbst. Bei Strauß & Fliege gibt es einen Ablauf, der sich bewährt hat und den wir in der Regel auch den Paaren vorschlagen. Das ist sinnvoll, denn wir sind ja auch dafür da, Struktur zu geben. Wohlgemerkt: Die Struktur darf sich ähneln, die Inhalte nicht! Die Zeit der Baukastensysteme ist hoffentlich vorbei. Auch ein Grund, warum der Ruf des freien Redners lange nicht so gut war und sich erst in den letzten Jahren wieder reinigt. Daher: Verbindlich ist der Ablauf nicht und jeder von uns hat Gründe, Dinge so oder so zu machen. Am Ende sind wir aber auch Dienstleister und sollten darauf hören, was die Paare von uns möchten. Das sollte die Diskussionsgrundlage sein und dann kann es zu einer sehr feinen Zeremonie kommen!

Ihr schreibt ja auch Reden für die standesamtliche Trauung – wie funktioniert das? Geht das bei jedem Standesamt?

Das ist eine ganz wunderbare Sache, die wir gerne und vermehrt anbieten, ja! Hier ist zuerst wichtig: Wir ersetzen nicht das Standesamt, sondern ergänzen es. Der Standesbeamte hat weiterhin das Hausrecht und führt juristisch durch die Zeremonie. Aber der Teil der persönlichen Ansprache kommt von uns. Und hier gibt es wieder unterschiedliche Angebote: Entweder wir gehen mit und halten die Rede selbst (die dann aber „nur“ fünf bis sieben Minuten lang ist und nicht mit einer freien Zeremonie zu vergleichen). Oder aber wir schreiben die Rede und ein anderer liest sie vor. Das kann der Standesbeamte sein oder auch ein Freund oder Trauzeuge. Das muss natürlich gut abgesprochen sein, aber dafür sind wir ja auch Profis und helfen entsprechend.

Ich glaube, nach diesem Interview haben viele meiner Leserinnen eine ganz gute Vorstellung davon, was ein freier Trauredner macht. Hast du abschließend noch Tipps für sie oder etwas, was du gerne noch ansprechen würdest?

Ich würde jedem Paar raten: Beruhig Dich Schatz, wir heiraten nur! Es ist am Ende wirklich wichtig, dass die Paare sich auf den Kern dessen konzentrieren, warum sie da sind: Die Heirat. Excel-Listen und Farbschemata von Blumendekos sind wichtig… ja. Aber am Ende, am Ende ist es doch die Hochzeit, weshalb alle kommen, oder? Um hier ein bisschen Unterstützung zu liefern, haben wir zwei Dinge entwickelt. Zum einen ein Notizbuch, wo Paare sich nochmal die richtigen Fragen stellen können und Platz für ihre Ideen haben. Zum anderen ein Podcast, wo wir versuchen, die wichtigsten Stationen im Vorfeld einer Trauung systematisch durchzugehen, um so den Paaren zu helfen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

 

FOTOS (v.o.n.u.): Ben Gierig, Honigmohn, Toni und Jules, Kai Pagels, Ellen Türke

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