Lang oder Kurz, puristisch oder verspielt, mit oder ohne Träger, tiefer Ausschnitt oder hochgeschlossen, viel Spitze, viel Seide, viel Tüll oder alles zusammen? Die Suche nach dem Brautkleid gleicht für manche von uns einer Odyssee. Ich war ja zum Beispiel felsenfest davon überzeugt, dass ich was ganz Schlichtes will. Gut, schlicht ist relativ. Am Ende war es ein Vollspitze-Kleid mit Meterschleppe… Als jetzt vor Kurzem die neuen Kollektionsbilder des Münchner Brautmode-Labels La Robe Marie in mein Postfach flatterten mit ganz unterschiedlichen Schnitten und Stilen, da dachte ich, wäre es mal wieder an der Zeit euch ein paar Tipps zur Brautkleidsuche an die Hand zu geben. Also habe ich Susan Bauer von La Robe Marie gefragt, wie sie ihre Kundinnen erlebt, was sie ihnen rät und wie Frau das perfekte Kleid für sich findet, ohne an der eigenen Figur oder dem Kontostand zu verzweifeln.

Susan, du erlebst ja viele Kundinnen – verläuft die Suche bei den meisten ähnlich?

Oh nein! Die Brautkleidsuche ist so individuell wie die Bräute selbst: Die eine sucht alleine, weiß genau, was sie will und entscheidet sofort, weil sie so schnell wie möglich das Thema abgehakt haben möchte. Die Nächste ist sich nicht sicher, was ihr steht, braucht viel Unterstützung und will die Kleidersuche als Happening.

Das kommt mir bekannt vor. Vor allem das, mit dem unsicher sein… Gibt es spezielle Tipps, die du für die Brautkleidsuche mit auf den Weg geben kannst?

Aber ja! Ich würde da gern vier Themen ansprechen: Die Begleitung, die Wahl des Brautmodeladens, den Stil des Kleides und natürlich das Budget.

Lass uns mit dem Budget anfangen…

Bräute sollten unbedingt vorab überlegen, wie viel das Kleid ungefähr kosten darf – und sich auch eine “Notreserve” überlegen, falls es doch etwas teurer wird. Vielleicht mag die Taufpatin oder Tante noch einen kleinen Zuschuss geben. Schade wäre es, wenn das Traumkleid nicht möglich ist, weil man nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat. Achtung: manchmal kommt ein Sale-Kleid teurer als ein neues Kleid, weil die Änderung sehr aufwendig wird. Sicherheitshalber immer nachfragen, ob Änderungskosten zusätzlich anfallen können und in welcher Größenordnung!

 

 

Dem kann ich zustimmen – mein Budget lag zum Beispiel deutlich unter dem, was wir am Ende ausgegeben haben. Ich hatte allerdings auch sehr viel Glück, weil meine Mutter mich in dem Kleid sah, Tränen in den Augen bekam und sich entschloss, es mir zur Hochzeit zu schenken. Allerdings hätte ich es nie entdeckt, wenn ich nicht auf den Rat meiner Trauzeugin gehört hätte, dem Laden zumindest eine Chance zu geben. Ich war damals ziemlich blauäugig drauflos marschiert…

Mein Tipp ist: Am besten vorab eine kleine Auswahl an Läden recherchieren, die vom Stil her passen. Denn bei zu vielen Terminen ist man irgendwann überladen mit Eindrücken und die Entscheidung für das Brautkleid wird immer schwerer. Lieber nur drei Läden aussuchen und danach vergleichen: wo habe ich mich am wohlsten gefühlt, wo wird am besten auf meine Wünsche eingegangen und so weiter.

Stichwort “vom Stil her passen”. Da geht’s vielen Bräuten nicht anders als mir damals: Da ist man sich ganz sicher, was man will, und dann kommt die Realität daher.

Mein Rat: Sei immer offen für alle Möglichkeiten! Manchmal hat Braut ein bestimmtes Bild im Kopf, das aber zur Figur oder zum Typ nicht richtig passt. Deshalb ist es immer gut, auch Kleider anzuprobieren, die nicht ganz im Plan waren. Manchmal hat man gerade dann das WOW-Erlebnis. Wenn nicht, weiß man dafür, dass man auf der richtigen Fährte war und ein Ausrutscher zwischendurch kann auch sehr lustig sein. Für den Start kann es ganz hilfreich sein, Fotos von der gewünschten Stilrichtung mitzubringen, weil sich unter Begriffen wie Vintage, Boho oder klassisch jeder etwas anderes vorstellt.

 

 

Haha, stimmt! Ich fand mein Vollspitze-Kleid mit Schleppe auch am Schluss noch vom Stil her schlicht. Meine Trauzeugin hat mir dann augenzwinkernd klar gemacht, dass schlicht dann doch eher anders aussieht. Unterwegs war ich damals mit ihr und meiner Mutter – andere Frauen ziehen es aber vor, gleich mehrere Freundinnen mitzunehmen. Ist das sinnvoll?

Auch wenn es gerade gerne propagiert wird in einer großen Freundinnengruppe auf die Suche zu gehen, rate ich davon ab. Es ist ganz schön anstrengend, eine große Truppe durch die Stadt zu hetzen und mit vielen verschiedenen Meinungen umzugehen. Spätestens im dritten Laden ist die Konzentration dahin. Die Braut, die ja eigentlich der Mittelpunkt sein sollte, bekommt nicht mehr die volle Aufmerksamkeit und eine Verkäuferin kann sich bemühen, wie sie will, es findet kaum mehr große Begeisterung. Außerdem sind viele Läden gar nicht dafür ausgelegt und in eine Ecke zusammengequetscht macht eine Anprobe kaum Spaß. Mein Rat daher an zukünftige Bräute: Lieber nur mit zwei oder maximal drei Begleiterinnen zum Termin kommen, die die Braut wirklich gut kennen und bis zur Entscheidung mit voller Aufmerksamkeit unterstützen. Im Endergebnis wird das ein entspannterer Tag und sicher ein schöneres Ergebnis.

Na, da kann ich mir ja noch im Nachhinein gratulieren, zumindest das richtig gemacht zu haben. Wobei ich schon ziemlich unsicher war am Anfang. Seide, Spitze, Tüll – für mich waren das alles irgendwelche Stoffe, aber ich hatte keinerlei Ahnung davon, wie unterschiedlich sie sich tragen, bis ich in den jeweiligen Kleidern steckte. Worauf sollten künftige Braute deiner Meinung nach beim Thema Material achten?

Alle drei von dir angesprochenen Materialien sind sehr wandelbar und können romantisch, klassisch oder auch modern sein, deshalb schließt sich keines davon für einen bestimmten Stil aus. Wichtig ist die Qualität: fühlt sich das Kleid wie eine zweite Haut an oder wird dir schon nach fünf Minuten ganz heiß? Ist die Spitze weich oder kratzt sie gleich nach dem Anziehen? Fallen Tüll oder Seide weich oder sind sie fester und kaschieren damit kleine Figurprobleme? Auch je nach Schnitt kann jedes Material das Richtige sein. Auch hier gilt: offen sein und lieber ein Kleid ausprobieren, das vielleicht nicht ins selbstgemachte Idealbild passt: Es kann sich am Körper perfekt anfühlen und dich perfekt in Szene setzen. Und denk daran: du hast das Kleid einen ganzen Tag an! Wenn du eher ein wildes Fest feiern und nicht ständig an dein Kleid denken willst, sollte der Stoff etwas robuster sein. Willst du eher ganz dezent feiern, kann auch ein empfindlicher Seidentüll genau richtig sein.

 

 

Wenn ich mir deine Kollektion anschaue, bestechen viele deiner Kleider durch die Verwendung romantischer Spitze – was macht für dich den Reiz dieses Stoffes aus?

Spitze ist ein unglaublich vielfältiges und wandelbares Material und kann je nach Schnitt nicht nur romantisch, sondern auch mondän, verrucht (ok, das haben wir selten), modern oder nach Vintage aussehen. Je nachdem, was die Spitze sehen lässt. Sie ist ein “persönliches” Material. Tatsächlich steht selten eine bestimmte Spitze vielen Frauen. Für jede Spitze gibt es eine speziellen Typ. Wir haben im Atelier viele Spitzen, die als Alternativen für unsere Modelle verwendet werden können.  Die grundsätzliche Stilrichtung kommt sicher daher, dass die meisten unserer Spitzenweber in Frankreich sind. Wir bekommen von dort so schöne und hochwertige Materialien, die einfach unglaublich viel Spaß machen im Design und in der Verarbeitung.

Stimmt, deine Kleider haben immer etwas Französisches, wenn man das so nennen kann – auch dann, wenn du keine Spitze verwendet hast. Aber da lasse ich jetzt meine Leser am besten selber schauen:

 

 

Fotos: Der Rothe Faden
Blumen: Petra Müller Blumen
Schuhe: Selve Munich
Make‐Up & Frisur: Getting Ready Brautstyling
Model: Anna Barth

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Hochzeitsgezwitscher gibt es seit 2014, als ich meine eigene Hochzeit plante. 2018 ist nun das erste Hochzeitsgezwitscher-Buch erschienen, 2019 kommen zwei weitere Bände aus der Reihe heraus. Mehr…

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